Warum es so wichtig ist, bei einem Reizdarmsyndrom Stress zu vermeiden

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Hier sieht man eine gestresste Frau, die Hände an die Schläfe gepresst, sitzend vor dem Notebook
Das Reizdarmsyndrom (= RDS) ist eine der am häufigsten gestellten Diagnosen unter den chronischen Magen‐Darm‐Erkrankungen. Schätzungsweise 16 % der Deutschen sind betroffen, Tendenz steigend. Die Erkrankung tritt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf, bei Frauen i. d. R. doppelt so oft wie bei Männern. Die Symptome des Reizdarmsyndroms sind individuell verschieden. Am häufigsten leiden die Betroffenen unter Verstopfung und/oder Durchfällen, Blähungen und Bauchschmerzen – in vielen Fällen sogar unter Bauchkrämpfen. Dabei können die Symptome sehr unterschiedlich auftreten und sich im Laufe der Erkrankung verändern, so können sich z. B. Durchfall und Verstopfung abwechseln. Ebenso können Phasen mit stark ausgeprägten Beschwerden auf Phasen mit milderen Beschwerden folgen. Eine gute Nachricht gibt es jedoch: Trotz der teilweise starken Beeinträchtigung der Lebensqualität ist die Lebenserwartung durch die Erkrankung nicht begrenzt.

Welche Ursachen gibt es für das Reizdarmsyndrom?

Grundsätzlich gilt: Ein Reizdarmsyndrom kann in Frage kommen, wenn über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten an mindestens drei Tagen die Woche Beschwerden im Magen‐Darm‐Bereich auftreten. Neben den Symptomen wie Blähungen, Krämpfe, Verstopfung oder Durchfall zählen auch die Veränderung der Stuhlgangshäufigkeit sowie des Stuhlaussehens eine Rolle. Bei dem Verdacht auf ein RDS sollte der Betroffene/die Betroffene ein Tagebuch über die Beschwerden führen.

Die eine Ursache für ein Reizdarmsyndrom gibt es nicht, genauso wenig wie eine Untersuchung, die dann eindeutig die Diagnose RDS sichert. Diese Diagnose erfolgt im Ausschlussverfahren, d. h. es müssen möglichst alle anderen Erkrankungen mit gleicher oder zumindest ähnlicher Symptomatik ausgeschlossen werden. Das erfordert viel Geduld vom Betroffenen/von der Betroffenen und macht klar, warum viele Reizdarmpatient:innen einen langen Leidensweg hinter sich haben.

Das RDS gilt u.a. als funktionelle Störung zwischen dem vegetativen Nervensystem und der Darmmuskulatur. Einfach ausgedrückt sind die Bewegungsabläufe im Darm gestört, ohne dass es eine organische Ursache dafür gibt. Diese Störung ist zwar ungefährlich, die Lebensqualität der Betroffenen ist aber sehr stark eingeschränkt. Beim RDS spricht man von einer sog. multifaktoriellen Erkrankung, das bedeutet, dass unterschiedliche Faktoren für das Entstehen verantwortlich sein können. Neben einer erblichen Veranlagung, Umwelteinflüssen oder einer Störung des Immunsystems scheinen die bakterielle Besiedlung des Darms sowie der Zustand der Darmschleimhaut eine zentrale Rolle zu spielen. Eine längere Medikamenteneinnahme sowie Stress, Kummer und Ängste, aber auch vorangegangene Magen‐Darm‐Infekte (v. a. mit Salmonellen) sollten ebenfalls bei der Betrachtung der ursächlichen Faktoren mit einbezogen werden.

Was hat Stress mit dem RDS zu tun?

Das Reizdarmsyndrom bzw. der Reizdarm werden häufig auch als nervöser Darm bezeichnet. Das drückt schon aus, dass das Nervensystem in den meisten Fällen bei der RDS‐Betroffenen eine große Rolle spielt. Die Verdauungsvorgänge in unserem Magen‐Darm‐Trakt werden u. a. vom vegetativen Nervensystem, genauer dem Vagus‐Nerv, gesteuert. Ein Ungleichgewicht innerhalb des vegetativen Nervensystems kann somit zu Symptomen im Magen‐Darm‐Bereich führen. Neben einer ursächlichen Beteiligung von Stress an der Entstehung eines RDS können psychische Belastungen, Kummer, Sorgen und Ängste auch den Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen. Darm und Psyche hängen eng miteinander zusammen, der Darm wird nicht umsonst als „Bauch‐Hirn“ bezeichnet. Umso wichtiger ist es, bei der RDS‐Behandlung Entspannungstechniken in den Therapieplan zu integrieren. Als besonders hilfreich haben sich Methoden wie Yoga, Autogenes Training, Achtsamkeitsübungen, Akupunktur und Qigong erwiesen. Da die Übungen regelmäßig ausgeführt werden sollen, ist es wichtig, dass diese dem/der Betroffenen Spaß machen. Die Rolle, die die Psyche bei der Krankheitsentstehung spielt, ist individuell verschieden. Bei einer starken psychischen Komponente kann die zusätzliche Einbeziehung eines Psychotherapeuten sinnvoll sein.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es beim RDS?

Eine Allheilmethode für den Reizdarm gibt es nicht. So multifaktoriell und individuell wie die Ursachen des RDS sollte auch der Behandlungsansatz sein. Nur eine Komponente bei der Therapie zu berücksichtigen, wird nicht nachhaltig zum Erfolg und damit zur Beschwerdefreiheit führen. Mittels eines Ernährungs‐ und Symptomentagesbuchs sollte zunächst festgestellt werden, wann die Beschwerden gehäuft aufreten und ob es evtl. Lebensmittel gibt, die die Symptome auslösen oder verstärken. Diese sollten zukünftig gemieden werden. Neben der Analyse der individuellen Verträglichkeit von Lebensmitteln haben verschiedene Studien gezeigt, dass eine sog. Low Fodmap‐Diät helfen kann, die Beschwerden des Reizdarmsyndroms zu verringern.

Eine Stuhlprobe kann Aufschluss zum Status der Darmschleimhaut geben. Betroffene sollten sich hierzu in kompetente Behandlung bei einer Therapeutin/einem Therapeuten begeben. Das Ziel der Therapie sollte die Regulation der Darmfunktion, Linderung der Symptome sowie eine stabile und intakte Darmschleimhaut sein. Stress bzw. psychische Faktoren, die entweder zum Entstehen des RDS beigetragen haben oder aber den Verlauf des RDS verschlechtern, sollten daher vermieden werden. Je nachdem wie groß die Bedeutung der seelischen Themen für das RDS ist, sollte neben Entspannungstechniken auch eine psychotherapeutische Behandlung in Erwägung gezogen werden.

Grundsätzlich gilt als primäres Therapieziel, die Symptome wie Durchfälle, Blähungen, krampfartige Bauchschmerzen, und/oder Verstopfungen zu lindern. Bei einigen Betroffenen können die genannten Maßnahmen bereits zu einer Besserung führen. Weitere Symptomlinderungen können medikamentöse Therapien z.B. mit Heilpflanzen und pflanzlichen Arzneimitteln bieten. Klinische Untersuchungen konnten zeigen, dass bei Patienten mit Reizdarmsyndrom, begleitet von Durchfällen, das Arzneimittel mit Myrrhe, Kamille und Kaffeekohle zu einer Verbesserung der Symptomatik Durchfälle, schmerzhafte Bauchkrämpfe und Blähungen führen konnte.

Eine (Bauch‐)Einreibung mit Kümmelöl kann entblähend und entkrampfend wirken. Melissen‐ und oder Pfefferminztee kann zur Beruhigung des vegetativen Nervensystems beitragen, die Pfefferminze wirkt beruhigend auf die Darmbewegungen und ist daher besonders wertvoll in Phasen von vermehrten Durchfällen. Besonders bei einem multifaktoriellen Geschehen hat sich eine Kombination aus Myrrhe, Kaffeekohle und Kamille bewährt. Neben einer Stabilisierung der Darmbarriere können diese Präparate gleich mehrere Beschwerden wie Durchfall, Krämpfe und Blähungen reduzieren.